Am 14. September 2026 wurde einer von uns auf grausame Art und Weise mitten aus dem Leben gerissen. Wir alle im FTZ Garsten, Angestellte, wie Insassen sind fassungslos über diese schreckliche Tat und unser Bewusstsein dafür, dass es jeden von uns treffen hätte können, wächst mit jedem Tag. Aber auch die Fragen, die wir in uns haben, werden immer größer. Die wichtigste Frage, das „Warum?“ wird wohl nie eine für alle nachvollziehbare Antwort bekommen.

Trotz all unserer Fehler und Straftaten, wegen derer wir Insassen inhaftiert sind, bleiben wir Menschen und das hat sich beim Trauergottesdienst am 17. September 2026 in der Anstaltskapelle ganz deutlich gezeigt. So viele Insassen, die beim Trauergottesdienst waren, sind sonst nur zu Weihnachten in der Kapelle dabei und feiern mit. Ja, wie feierten das Lebens unseres Mithäftlings, das leider ein viel zu jähes Ende fand. Bei allen war die Bestürzung, die Trauer und die Wut über den Vorfall deutlich zu spüren. Doch all das durften wir vor Gott bringen und ihm anvertrauen.

Mit „Tears in Heaven“ von Eric Clapton, das ein Insasse auf der Gitarre spielte und sang, begann der Gottesdienst und schon hier flossen die ersten Tränen. Ja, auch wir Insassen weinen über den Verlust eines Menschen, den manche sicherlich besser gekannt haben als ich, denn ich kannte ihn gerade einmal vom Sehen – dennoch trauere auch ich. Nach einer bewegenden Trauerpredikt unseres Anstaltspriesters, bekamen wir die Möglichkeit uns bei unserem Mitinsassen persönlich zu verabschieden und ihm dabei eine Kerze anzuzünden. Auch für diese Zeremonie, spielte unser Mitinsasse ein Lied. Wir bekamen „Amoi seng ma uns wieda“ von Andreas Gabalier zu hören, wo es ja in einer Texte heißte: „A Liacht soi da leicht´n, bis in die Ewigkeit, zur Erinnerung an dei Lebenszeit„. Eine sehr treffende Passage dieses Liedes, denn genau das geschah auch. Während jeder einzelne von uns vortrat und eine Kerze für unseren Verstorbenen Mitinsassen anzündete, hatte wohl ein jeder irgend ein Bild von ihm im Kopf an das er sich ganz speziell in diesem Moment erinnerte.

Das Lichtermeer, das bei dieser Zeremonie entstand, zeigte ganz deutlich, dass wir unsere Menschlichkeit nicht verloren haben. So traurig der Anlass unserer Zusammenkunft war, umso schöner war es zu sehen, dass wir als Gemeinschaft Abschied nehmen konnten und hier war es auch egal, ob jemand ein Christ ist, oder einen anderen Glauben hat. Der Tod unseres Mitbruders hat uns alle vereint und unser Miteinander gestärkt. Wir setzten ein ganz deutliches Zeichen gegen den Hass, den wir mit dem Lichtermeer vertrieben haben.

Herr, schenke unserem Mitinsassen das ewige Leben.

Und das ewige Licht leuchte ihm.

Lass ihn ruhen in Frieden. Amen.

Garsten, 18. September 2026

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