Der Internationale Tag der Pflege wird jedes Jahr am 12. Mai weltweit gefeiert, dem Geburtstag von Florence Nightingale. Das Pflegepersonal, das während der Pandemie im Einsatz war, hat die gängigen Stereotype über den Pflegeberuf widerlegt. Die Welt hat aus erster Hand erfahren, welch fundamentale Rolle die Pflege für die Patientensicherheit spielt. Menschen haben geklatscht und dadurch Ihre Dankbarkeit kundgetan – doch welche Stimmen kommen aus der Politik? Das Motto für 2026 lautet: Our Nurses. Our Future. Empowered Nurses Save Lives.
Während die Menschen immer mehr unter psychischen Erkrankungen leiden, die Versorgung längst an ihre Grenzen gestoßen ist, kommt es in Deutschland zu einer Stimmung wonach psychiatrische Pflegefachkräfte künftig deutlich niedriger eingruppiert werden sollen. Hintergrund ist die Einschätzung, dass zentrale Tätigkeiten wie Zuhören, Gespräche führen, Deeskalation, Beziehungsgestaltung und gemeinsames Kaffee trinken nur schwer von regulären Freizeitaktivitäten abzugrenzen seien. Besonders kritisch werde bewertet, dass viele Interventionen nicht unmittelbar nach körperlicher Arbeit aussehen. Arbeitgebernahe Kreise prüfen nun, ob psychiatrische Pflege künftig nur noch dann als vollwertige Arbeit anerkannt wird, wenn dabei sichtbar geschwitzt, gehoben oder mindestens ein Gerät mit Piepton bedient wird.
Ein Pfleger der sogar auch als Praxisanleiter in einer psychiatrischen Klinik tätig ist, übt Kritik an der Abwertung psychiatrischer Pflege und stellt im Folgendem klar: Die politische Diskussion kann nur satirisch gemeint sein, greift jedoch ein Problem auf, das viele psychiatrische Pflegekräfte tatsächlich erleben: die mangelnde Anerkennung ihrer hochkomplexen Arbeit. Die Aussage, Zuhören, Beziehungsgestaltung, Deeskalation und therapeutische Gespräche seien kaum von Freizeitaktivitäten zu unterscheiden, offenbart ein erschreckendes Unverständnis für die Anforderungen psychiatrischer Pflege. Gerade diese Tätigkeiten sind keine beiläufigen sozialen Kontakte, sondern professionelle Interventionen, die Fachwissen, Erfahrung, Selbstreflexion und hohe emotionale Kompetenz erfordern. Eine erfolgreiche Deeskalation kann Gewalt verhindern, Zwangsmaßnahmen vermeiden und Menschen in akuten psychischen Krisen stützen und schützen. Therapeutische Beziehungsgestaltung ist nachweislich einer der wichtigsten Faktoren für den Behandlungserfolg in der Psychiatrie. Wer dies mit gemeinsamem Kaffeetrinken gleichsetzt, verkennt den Kern psychiatrischer Pflege. Die Qualität pflegerischer Arbeit lässt sich nicht daran messen, ob jemand schwere Lasten hebt, sichtbar schwitzt oder technische Geräte bedient. Psychiatrische Pflege findet oft dort statt, wo Kommunikation, Beobachtung, Krisenintervention und Beziehungsarbeit Leben verändern oder sogar retten können. Die psychische Belastung dieser Arbeit wird von Außenstehenden häufig unterschätzt. Es ist bedenklich, dass in unserem Gesundheitssystem körperlich sichtbare Tätigkeiten oft höher bewertet werden als hochqualifizierte kommunikative und therapeutische Arbeit. Gerade psychiatrische Pflege verlangt ein hohes Maß an Fachkompetenz, Verantwortungsbewusstsein und persönlicher Stabilität
In sozialen Medien kursiert derzeit diese satirische Zuspitzung, wonach psychiatrische Pflege niedriger bewertet werden solle, weil Tätigkeiten wie Zuhören, Beziehungsgestaltung oder gemeinsames Kaffeetrinken angeblich schwer von Freizeit zu unterscheiden seien. Gerade weil diese Satire so absurd klingt, legt sie einen realen wunden Punkt offen: die mangelnde Anerkennung psychiatrischer Pflege.
Psychiatrische Pflege rettet Menschen nicht durch Muskelkraft, sondern durch Fachwissen, professionelle Kommunikation und menschliche Präsenz. Diese Arbeit abzuwerten ist nicht nur respektlos gegenüber den Pflegenden, sondern auch gegenüber den Patientinnen und Patienten, die auf diese Unterstützung angewiesen sind. Dies betrifft auch Menschen in forensisch therapeutischen Zentren.
Spricht man in Österreich mit Pflegekräften aus unterschiedlichen Fachbereichen, so zeichnet sich ein gleiches Bild, es wird wohl verbal „geklatscht“ doch in der Praxis kommt keine echte Wertschätzung an. Es wird weiterhin der Spardruck in den Bereichen hoch gehalten, wo es um Personaleinsatzkosten geht – Nein, Personal wird nicht als Investition für die Gesundheitsversorgung gesehen. Ihre hohe praktische Fachkompetenz ist nur dann sichtbar, wenn sie möglichst viel in der Dokumentation vermerkt ist – was nicht dokumentiert ist, ist auch nicht gemacht. Der Druck auf das Personal immer verfügbar zu sein, die eigenen Interessen zurückzustellen, das Wohl der Institution in den Vordergrund zu rücken, Management Vorgaben still und ohne Gegenrede anzuwenden auch dann, wenn diese für Patienten keine echte Hilfestellung bringen, wird vorausgesetzt. Nein, es handelt sich nicht um „Befindlichkeitsstörungen“ von Pflegekräften, vielmehr um systematische Verschlechterung der Gesundheitsversorgung. Wen wundert es also noch wenn immer lauter von Mangel an Pflegekräften gesprochen wird, Nachwuchskräfte aus fernen Ländern rekrutiert werden müssen? Österreich zum Beispiel bedient sich dabei an Menschen aus Vietnam, welche mit viel Steuergeld qualifiziert werden müssen.
Japan ist führend bezüglich Robotertechnologie in der Pflege von Menschen einzusetzen, dabei ist für uns alle zu bedenken, Technik kann und muss Pflegekräfte unterstützen – niemals jedoch wird Technik Pflegekräfte in vollem Umfang ersetzen. Wir brauchen Menschen mit Herz und Verstand die sich um die Pflege, soziales Wohlbefinden und der Gesundheit im Allgemeinen anderer kümmern. Ich bedanke mich bei allen die diese Arbeit leisten, und in Zukunft noch tun möchten.
Ich wünsche Ihnen viel Kraft, bleiben Sie zuversichtlich.
