Substitutionsbehandlung und Therapie in Forensisch-Therapeutischen-Zentren (FTZ) sind spezielle Ansätze zur Behandlung von Menschen, die sowohl mit rechtlichen als auch mit psychischen oder Suchterkrankungen zu kämpfen haben. Diese Zentren bieten umfassende Programme an, die auf die besonderen Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten sind. Dieser Auftrag klingt gut, doch es erreichte mich ein Brief eines betroffenen Patienten aus einem FtZ in Österreich. Er beschreibt seine Situation, und den Umgang mit seinen Bedürfnissen. Ich gebe zu, es macht mich sehr betroffen, denn es scheint so, als würde eine ordentliche Kommunikation zwischen ihm und seinem behandelnden Arzt nicht mehr möglich sein, er schreibt sogar von Gespräch Verweigerung. Es entsteht der Eindruck, dass es keine Patientenaufklärung gibt.

Im Folgenden möchte ich einige Schlüsselaspekte dieser Behandlungen beschreiben.

Die Hauptziele der Substitutionsbehandlung in einem FTZ sind:

Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Die Behandlung in diesen Zentren erfolgt oft durch ein Team von Fachleuten, darunter Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter und Juristen, um eine ganzheitliche Betreuung zu gewährleisten. Diese Zentren zielen darauf ab, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern, ihre rechtlichen Probleme zu bewältigen und langfristige Verhaltensänderungen zu fördern, um ein straffreies und gesundes Leben zu führen.

Substitutionsbehandlung: Diese Form der Behandlung wird häufig für Menschen mit Opiatabhängigkeit eingesetzt. Es geht darum, illegale Drogen durch kontrollierte und sicherere Medikamente wie Methadon oder Buprenorphin zu ersetzen. Ziel ist es, die Entzugssymptome zu lindern und das Risiko von Rückfällen zu minimieren, während gleichzeitig eine medizinische Überwachung erfolgt.

Therapieansätze: Neben der medikamentösen Behandlung spielen psychotherapeutische Ansätze eine zentrale Rolle. Dazu gehören kognitive Verhaltenstherapie, Gruppentherapie und andere therapeutische Techniken, die darauf abzielen, Verhaltensänderungen zu fördern, die psychische Gesundheit zu verbessern und soziale Fähigkeiten zu stärken.

Rechtliche Integration: In forensisch-therapeutischen Zentren wird die Behandlung oft mit rechtlichen Anforderungen kombiniert. Dies kann die Überwachung durch das Justizsystem, regelmäßige Berichterstattung an Gerichte oder andere rechtliche Auflagen umfassen. Ziel ist es, die Patienten auf eine sichere und legale Wiedereingliederung in die Gesellschaft vorzubereiten.

Rückfallprävention: Ein wesentlicher Bestandteil der Therapie ist die Entwicklung von Strategien zur Vermeidung von Rückfällen. Dies beinhaltet das Erkennen von Auslösern, den Umgang mit Stress und die Schaffung eines unterstützenden sozialen Netzwerks.

Reduzierung von kriminellem Verhalten: Durch die Stabilisierung der Patienten und die Reduzierung der Abhängigkeit von illegalen Substanzen wird auch das Risiko von kriminellem Verhalten gesenkt.

Reduzierung des Drogenkonsums: Durch den Ersatz illegaler Drogen durch kontrollierte Substanzen wie Methadon oder Buprenorphin soll der illegale Drogenkonsum verringert werden, welcher oft der Auslöser für strafbare Handlungen ist, und massiv auf ein Verhalten einwirkt.

Verbesserung der körperlichen und psychischen Gesundheit: Die kontrollierte Abgabe von Ersatzstoffen hilft, Entzugssymptome zu lindern und die Stabilität der Patienten zu verbessern, was zu einer besseren allgemeinen Gesundheit führt.

Förderung der sozialen Wiedereingliederung: Die Behandlung zielt darauf ab, Patienten zu helfen, ihre sozialen Fähigkeiten zu verbessern und sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren, indem sie ein stabileres und produktiveres Leben führen.

Erfüllung rechtlicher Vorgaben: Die Therapie unterstützt Patienten dabei, die Bedingungen ihrer rechtlichen Auflagen zu erfüllen, was ein wichtiger Schritt zur Resozialisierung ist. Diese Ziele tragen dazu bei, sowohl die individuelle Lebensqualität der Patienten zu verbessern als auch die öffentliche Sicherheit zu erhöhen.

Als übergeordnetes Ziel des Maßnahmenvollzuges, welcher in den FTZ stattfindet, wurde jedoch nicht eine Resozialisierung, sondern ein Abbau der individuellen Gefährlichkeit definiert – dieser Umstand macht es für PatientInnen dieser Einrichtungen besonders belastend, da es anders als bei einer Haftstrafe, keine zeitliche Begrenzung dieser Form des Freiheitsentzuges gibt.

In der Substitutionsbehandlung werden hauptsächlich folgende kontrollierte Substanzen verwendet:

Methadon: Ein synthetisches Opioid, das häufig zur Behandlung von Heroinabhängigkeit eingesetzt wird. Es hilft, Entzugssymptome zu lindern und das Verlangen nach Opioiden zu reduzieren.

Buprenorphin: Ein teilweiser Opioidagonist, der ebenfalls zur Behandlung von Opiatabhängigkeit verwendet wird. Es hat ein geringeres Risiko für Missbrauch und Überdosierung im Vergleich zu Methadon.

Buprenorphin/Naloxon (Suboxone): Eine Kombination aus Buprenorphin und Naloxon. Naloxon wird hinzugefügt, um das Risiko von Missbrauch zu verringern, indem es die Wirkung von Buprenorphin bei intravenöser Einnahme blockiert. Diese Substanzen werden unter ärztlicher Aufsicht und im Rahmen eines umfassenden Behandlungsplans verabreicht, der auch therapeutische und soziale Unterstützungsmaßnahmen umfasst. Ziel ist es, die Abhängigkeit von illegalen Drogen zu verringern und die Patienten auf dem Weg zu einem stabileren und gesünderen Leben zu unterstützen.

Vorsicht bei selbstgewählten Ersatzprodukten!

Einigen PatientInnen fällt es sehr schwer den vorgegebenen und mit ihnen vereinbarten Behandlungsplan einzuhalten. Sie versuchen mittels anderer Medikamente ihr subjektiv als schlecht empfundenes Befindlichkeit’s Gefühl selbst zu behandeln, selbst zu therapieren. Sie denken dabei weniger bis gar nicht, an den vereinbarten Langzeit Behandlungsplan. Chemische Reaktionen, welche sich auf ihre Gehirnstruktur negativ auswirken, auch körperliche Reaktionen auslösen, sie verdrängen diese Auswirkungen ebenso, wie eine stattfindende Suchtverlagerung, also eine weitere Abhängigkeit, diesmal nur hin zu einer anderen Wirkstoffsubstanz.

Ein beliebtes Medikament welches PatientInnen zur Selbsttherapie verwenden ist Praxiten, auch bekannt als Oxazepam.

Dieses Medikament gehört zur Gruppe Benzodiazepine, welches hauptsächlich zur Behandlung von Angstzuständen und zur kurzzeitigen Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt wird. Es gehört nicht zu den typischen Medikamenten, die in der Substitutionsbehandlung von Opiatabhängigkeit verwendet werden. In der Substitutionsbehandlung werden in der Regel Medikamente wie Methadon oder Buprenorphin eingesetzt, die speziell darauf abzielen, Opioidabhängigkeit zu behandeln.

Hier schließt sich nun der Kreis zum am Anfang erwähnten Briefschreiber. Seinem Empfinden nach hat er keine Chance mit seinem behandelnden Arzt das seinem Empfinden nach, einzig wirksame Medikament in seinen individuellen Behandlungsplan zu integrieren, obwohl es ihm hilft. Es entsteht dadurch ein illegaler Konsum mit Praxiten, der zu Sanktionen führt. Er möchte diesen Umstand jedenfalls nicht weiterführen, sieht aber keine andere Möglichkeit, seine Ängste und Schlafstörungen in den Griff zu bekommen.

Noch einmal erwähnt: Praxiten (Oxazepam) ist für die Substitutionstherapie bei Opioidabhängigkeit aufgrund seiner Eigenschaften als Beruhigungsmittel und seiner potenziellen Abhängigkeitsrisiken nicht geeignet. Es könnte jedoch in bestimmten Fällen als Teil eines umfassenden Behandlungsplans zur Behandlung von begleitenden Angststörungen unter strenger ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden. Ich frage mich also, warum bespricht der Arzt diese Umstände nicht mit seinem Patienten?

Wirkmechanismus: Praxiten wirkt auf das zentrale Nervensystem, um Angst zu reduzieren, hat aber keinen spezifischen Effekt auf die Opioidrezeptoren, die bei Opioidabhängigkeit eine Rolle spielen.

Abhängigkeitspotential: Benzodiazepine selbst haben ein hohes Abhängigkeitspotential und können zu einer eigenen Form der Abhängigkeit führen. Die Verwendung in der Substitutionstherapie könnte daher das Risiko einer zusätzlichen Abhängigkeit erhöhen.

Die Substitutionstherapie zielt wie schon geschrieben jedoch darauf ab, Entzugssymptome von Opioiden zu lindern und das Verlangen nach diesen Substanzen zu reduzieren. Medikamente wie Methadon oder Buprenorphin wirken auf Opioidrezeptoren und sind speziell darauf ausgelegt, die Bedürfnisse von Menschen mit Opioidabhängigkeit zu adressieren, was bei Praxiten nicht der Fall ist.

Sicherheitsaspekte: Die Kombination von Benzodiazepinen mit Opioiden kann gefährliche Nebenwirkungen haben, darunter das Risiko einer Atemdepression. Daher ist die Verwendung von Praxiten in diesem Kontext mit erheblichen Sicherheitsrisiken verbunden. Aufgrund dieser Faktoren wird Praxiten nicht für die Substitutionstherapie bei Opioidabhängigkeit eingesetzt.

Wie unterscheiden sich die Wirkmechanismen von Methadon und Praxiten in Bezug auf die Behandlung von Abhängigkeiten? Methadon und Praxiten haben unterschiedliche Wirkmechanismen und werden für verschiedene Zwecke in der Behandlung von Abhängigkeiten eingesetzt:

Wirkmechanismus: Methadon ist ein vollsynthetisches Opioid, das hauptsächlich als ein vollständiger Agonist an den Mu-Opioidrezeptoren wirkt. Diese Rezeptoren sind dieselben, auf die auch Drogen wie Heroin wirken. Methadon hilft, Entzugssymptome zu lindern und das Verlangen nach Opioiden zu reduzieren, indem es die gleichen Rezeptoren stimuliert, jedoch ohne den High-Effekt von illegalen Opiaten. Es wird in der Substitutionsbehandlung von Opioidabhängigkeit eingesetzt, um Patienten zu stabilisieren und ihnen zu helfen, ihre Abhängigkeit in einem kontrollierten medizinischen Umfeld zu überwinden.

Noch einmal sei erwähnt, Praxiten (Oxazepam) gehört zur Klasse der Benzodiazepine und wirkt, indem es die Wirkung des Neurotransmitters Gamma-Aminobuttersäure (GABA) im Gehirn verstärkt. Dies hat eine beruhigende Wirkung auf das zentrale Nervensystem und hilft, Angstzustände zu reduzieren und Schlaf zu fördern.

Praxiten wird jedoch nicht zur Behandlung von Opioidabhängigkeit eingesetzt.

Benzodiazepine haben ein eigenes Suchtpotenzial und sind daher nicht geeignet, um Opioidabhängigkeit zu behandeln. Zusammengefasst ist Methadon speziell für die Behandlung von Opioidabhängigkeit konzipiert, während Praxiten zur Behandlung von Angst und Schlafstörungen verschrieben wird und nicht für die Substitutionstherapie geeignet ist.

Wann macht also Praxiten Sinn?

Akute Angstzustände: Bei kurzfristigen oder situativen Angstzuständen, die eine schnelle Linderung erfordern, kann Praxiten eingesetzt werden.

Schlafstörungen: Aufgrund seiner beruhigenden Wirkung wird Praxiten manchmal zur kurzfristigen Behandlung von Schlafstörungen, insbesondere wenn diese durch Angst verursacht werden, eingesetzt. Es wird in der Regel für kurzzeitige Behandlungen verwendet, da es ein Potenzial für Abhängigkeit und Toleranzentwicklung hat.

In einer früher erschienenen Menschen und Rechte Ausgabe habe ich die zehn Gesichter der Angst bereits beschrieben, hier eine kurze Fassung ohne Details.

Wie wirkt sich Angst auf den menschlichen Körper aus und welche physiologischen Reaktionen können dabei auftreten?

Angst kann eine Reihe von physiologischen Reaktionen im menschlichen Körper auslösen, die vereinfacht gesagt Teil der sogenannte Kampf oder Flucht Reaktion sind.

Einige der häufigsten Auswirkungen von Angst können sein:

Herz-Kreislauf-System: Angst kann zu einer Erhöhung der Herzfrequenz und des Blutdrucks führen, da der Körper sich darauf vorbereitet, schnell zu reagieren.

Atmung: Es kann zu schnellerer und flacherer Atmung kommen, was manchmal zu Hyperventilation führen kann.

Muskuläre Reaktionen: Muskelanspannung ist häufig, da der Körper in Alarmbereitschaft versetzt wird.

Verdauungssystem: Angst kann den Verdauungstrakt beeinflussen, was zu Magenverstimmungen, Übelkeit oder Durchfall führen kann.

Schwitzen: Vermehrtes Schwitzen ist eine häufige Reaktion, da der Körper versucht, sich abzukühlen.

Hormonelle Reaktionen: Angst führt zur Freisetzung von Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol, die die physiologischen Reaktionen verstärken.

Immunsystem: Langfristige Angst kann das Immunsystem schwächen, wodurch die Anfälligkeit für Infektionen steigt.

Kognitive Effekte: Angst kann auch die Konzentrationsfähigkeit und das Gedächtnis beeinträchtigen. Diese Reaktionen sind evolutionsbiologisch verankert und helfen dem Körper, in gefährlichen Situationen schnell zu reagieren. Bei chronischer Angst können sie jedoch gesundheitsschädlich werden. Diese Systeme arbeiten zusammen, um den Körper auf potenzielle Bedrohungen vorzubereiten, aber bei anhaltender Angst können die ständigen Belastungen gesundheitliche Probleme verursachen.

Im Allgemeinen kann gesagt werden, Angst und Schlafstörungen haben sehr viele Auslöser, diese gilt es zu erkennen und zu benennen, um im besten Fall mittels individuellen professionellen Therapie Angeboten ein medikamentenfreies und Substanzunabhängiges Leben führen zu können – Ja, es ist auch Ihnen möglich, es ist Ihr Recht.

Bleiben Sie stark, bleiben Sie zuversichtlich, bleiben Sie mitten im Leben.

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