Keine Helden sondern Verbündete, sucht der Vereins StoP-Stadtteile ohne Partnergewalt mit seiner aktuellen Kampagne VorbildER. Männer sollen ermutigt werden, Haltung und Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv an einem Aufbruch patriarchaler Strukturen zu beteiligen. Gewalt an Frauen beginne in den Köpfen der Menschen und sei kein privates Frauenproblem, so der Verein.
Mit einer Schweigeminute begann die Präsentation der Bewusstseinskampagne VorbildER, im Rahmen eines Pressetermins des Vereins StoP-Stadtteile ohne Partnergewalt. Am Tag zuvor hatte ein 44-Jähriger in Wien, erst seine Ex-Partnerin und anschließend sich selbst mit einer Schusswaffe getötet. Ihre dabei verletzte Tochter starb einige Tage später im AKH. Die Zahl der Femizide – also der gezielten Tötungen von Frauen aufgrund ihres Geschlechts – ist in Österreich damit in diesem Jahr auf 12 gestiegen. Laut Statistik Austria ist in Österreich etwa jede dritte Frau ab einem Alter von 15 Jahren, von körperlicher und/oder sexualisierter Gewalt betroffen.
Angesichts des Vorfalls und der Zahlen, vermisst Maria Rösslhumer, Vorsitzende des Vereins StoP-Stadtteile ohne Partnergewalt, die Empörung seitens der Politik. Dass ein Schusswaffen- und Betretungsverbot des Täters, sowie das Aufsuchen eines Frauenhauses des Opfers, die Tat nicht verhindern konnten, sei auf Lücken in der Prävention zurückzuführen. Gewalt an Frauen ist ein weltweites Problem, habe aber hierzulande System, beklagt Rösslhumer. Mit Unterzeichnung der Istanbul-Konvention, hat sich Österreich dem internationalen Goldstandard der Gewaltpräventionsarbeit, völkerrechtlich verpflichtet. Die Gleichstellung der Geschlechter hat Verfassungsrang. Es fehle aber ein ganzheitlicher Ansatz.

Für einen gesellschaftlichen Systemumbruch setzt VorbildER bei der Zivilbevölkerung an. Genauer gesagt bei Männern. Die Kampagne zeigt Rolemodels, die sich öffentlich dazu bekennen, Verantwortung für die Gewalt an Frauen zu übernehmen. Diese passiere nicht in einem Vakuum, sondern sei Ausdruck gesamtgesellschaftlicher Missstände, an denen vor allem Männer arbeiten könnten. Zu den bisher 50 Rolemodels, zählt Schauspieler Cornelius Obonya. Er berichtete bei der Präsentation der Kampagne, von einschlägigen Erfahrungen aus der Film- und Theaterbranche und beschrieb, wie er selbst ein konstruktives Männerbild fördern möchte: Rollenbilder hinterfragen, Widerstand sichtbar machen und Solidarität demonstrieren.
Die VorbildER richten sich an alle Männer. Bei der Präsentation machte Maria Rösslhumer aber noch besonders auf die jüngere Generation aufmerksam. Wenn sich die Sozialisierungen junger Männer ins Internet verlagert, sei es besonders wichtig ein Gegenangebot zu destruktiver Männlichkeit sichtbar zu machen. Diese ist durch Algorithmen zum Geschäftsmodell internationaler aber auch österreichischer Influencer geworden, die patriarchale Strukturen fördern und offen zu Gewalt an Frauen aufrufen. Auch hier sieht Rösslhumer Handlungsbedarf seitens der Behörden.
„Männlichkeit bedeutet Haltung, Respekt und Gleichwertigkeit – nicht Gewalt oder Kontrolle“ ist eine der Kernbotschaften, die der Vereins StoP-Stadtteile ohne Partnergewalt mit Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung an den Mann bringen möchte. Momentan werden noch Partnerorganisationen und Rolemodels aus der männlichen Zivilbevölkerung gesucht, die sich an der Kampagne VorbildER beteiligen wollen.
