Wie die aktuelle Hitzewelle den Alltag in Österreichs Justizanstalten unerträglich macht und gesundheitliche Risiken für Häftlinge massiv erhöht.
In Österreichs Justizanstalten herrscht in diesem Hochsommer eine angespannte Situation. Die Überbelegung ist hoch, offiziell liegen rund 8.970 Menschen in Haft, obwohl die Kapazität nur für 8.257 reicht. Das bedeutet, dass viele Gefangene in Mehrbettzellen leben, wo Privatsphäre kaum möglich ist und Rückzug praktisch nicht existiert. Personalmangel, auch urlaubsbedingt verschärft die Lage. Unbesetzte Planstellen führen dazu, dass Bildungsprogramme, Arbeit und Therapie ausfallen oder stark reduziert werden. Der Alltag in Haft ist für viele eine Abfolge von langen Einschlusszeiten und wenigen Stunden Hofgang oder Beschäftigung.
Unter diesen Bedingungen trifft die aktuelle Hitzewelle die Insassen besonders hart. In den Hafträumen gibt es keine Klimaanlagen und oft nur eingeschränkte Möglichkeiten zur Belüftung. Fenster lassen sich vielfach nicht vollständig öffnen und der Luftaustausch ist schlecht. Die Überbelegung sorgt dafür, dass sich die Räume zusätzlich aufheizen und die Temperaturen drinnen schnell über die Außentemperaturen hinaus steigen. Wer in einer kleinen Zelle mit mehreren Personen untergebracht ist, lebt in einer permanenten Hitzezone, die den Körper und die Psyche belastet.
Medizinisch ist bekannt, dass extreme Hitze das Risiko für Kreislaufprobleme, Dehydrierung und Hitzeschocks erhöht. In Haft kommen weitere Faktoren hinzu. Viele Häftlinge leiden an Vorerkrankungen, psychischen Störungen oder Suchterkrankungen, die durch Hitze verschlimmert werden können. In den USA wurde ein deutlicher Zusammenhang zwischen Hitzewellen und steigenden Suizidraten in Gefängnissen festgestellt. Auch in Österreich warnen Experten, dass hohe Temperaturen das Aggressionspotenzial erhöhen und psychische Krisen auslösen können. In Einrichtungen, in denen die Betreuung ohnehin reduziert ist, kann das lebensgefährlich werden.
Die Justizanstalten verfügen zwar über Notfallpläne, doch in der Praxis scheitern hitzemindernde Maßnahmen oft an fehlendem Personal oder baulichen Gegebenheiten. Der Zugang zu kühleren Räumen ist begrenzt und zusätzliche Hofzeiten lassen sich nicht überall umsetzen. Die Folge ist, dass viele Gefangene während der heißesten Stunden des Tages in überhitzten Zellen ausharren müssen.
In Wien Josefstadt, der größten Untersuchungshaftanstalt des Landes, ist die Lage besonders angespannt. Die bauliche Struktur aus dicken Mauern speichert die Wärme und gibt sie nur langsam wieder ab. Selbst nachts kühlen die Zellen kaum ab. Ähnliche Bedingungen herrschen in älteren Anstalten wie Stein oder Garsten, wo Hitzeperioden zu einer massiven Belastung werden.
Die derzeitige Hitzewelle verdeutlicht, wie verletzlich das System Strafvollzug gegenüber klimatischen Extremen ist. Überbelegung, bauliche Einschränkungen und Personalmangel bilden eine Kombination, die bei hohen Temperaturen zu gefährlichen Zuständen führt. Für die Betroffenen bedeutet das nicht nur körperlichen Stress, sondern auch eine Verschärfung psychischer Belastungen. Ohne gezielte Anpassungen an die klimatischen Veränderungen wird jede zukünftige Hitzewelle ähnliche oder sogar schwerere Folgen haben.

Vergessen darf auch nicht werden, bzw. unbedingt zu beachten ist, das Medikamente welche viele Gefangene einnehmen müssen, bei Hitze eine negative Wirkweise haben. Die Auswirkungen gefährden den Gesundheit‘s Zustand nochmal massiv.