Themen

„Was fehlt einer modernen Justiz?“ „Verstößt der Strafvollzug gegen die Menschenwürde?“ „Und warum strafen wir überhaupt?“

Diesen und vielen weiteren Fragen wird in der einwöchigen Diskussionsreihe „Menschen & Rechte 2020“ in Wien auf den Grund gegangen. Von 9. bis 13. November 2020 sollen die Themen Justiz, Recht und Gefängnis durch zahlreiche Veranstaltungen in den Mittelpunkt gestellt werden. Neben ausgewiesenen Expert*innen bekommen vor allem auch Betroffene sowie Angehörige ausreichend Raum, um mitzudiskutieren sowie um ihre persönlichen Geschichten, Ansichten und Verbesserungsvorschläge in Bezug auf Justiz, Recht und Gefängnis darzustellen.

Zu einer breiten Diskussion in der Gesellschaft anregen soll im Zuge der Veranstaltung zunächst die Buchpräsentation des Richters Oliver Scheiber, der in „Mut zum Recht! Plädoyer für einen modernen Rechtsstaat“ aufzeigt, wo Schwächen in der österreichischen Justiz bestehen und wie diese menschengerechter gestaltet werden könnte.

Auch Thomas Galli, der mit „Weggesperrt. Warum Gefängnisse niemandem nützen“ innerhalb Deutschlands einen breiten medialen Diskurs auslöste, präsentiert sein Buch zum Strafvollzug, in dem der Rechtsanwalt und ehemalige Gefängnisdirektor unter anderem schildert, warum der Verzicht auf Haftstrafen sinnvoll ist.

In der Diskussionsreihe nicht unbehandelt bleiben außerdem „Geschworenenprozesse“, die in fast allen europäischen Staaten bereits abgeschafft wurden, in Österreich jedoch noch fester Bestandteil der Gerichtsbarkeit sind. Mit den Autorinnen der darüber verfassten gleichnamigen Monografie, den Juristinnen Katharina Rueprecht und Astrid Wagner, wird diese Verfahrensform näher beleuchtet und unter Einbeziehung weiterer Expert*innen ausführlich besprochen.

Schlussendlich soll auch dem gesellschaftlichem Randthema Maßnahmenvollzug ausreichend Platz geboten werden, so dass im Rahmen der Veranstaltung „Menschen & Rechte 2020“ dessen Missstände sowie der aktuelle Stand der Reform, die seit Jahren verschoben wird, diskutiert werden können.

Die Präsentation der Filmdokumentation „True Justice“ über die Equal Justice Initiative in den USA rundet das Programm ab und zeigt, wie Bryan Stevenson, ein Anwalt aus Alabama, für mehr Fairness im US-amerikanischen Rechtssystem kämpft.