Geschworenenprozesse

Geschworenenprozesse – Glanz und Elend einer Institution
Buchpräsentation und Podiumsdiskussion mit
Katharina Rueprecht und Astrid Wagner


Mittwoch, 11. November 2020 | 18 Uhr
Festsaal Florido-Tower, 30. Stock, 1210 Wien
Anmeldung
Buch-Vorbestellung


Geschworenenprozesse sind in Österreich fester Bestandteil der Gerichtsbarkeit und werden bei der Verhandlung von besonders schweren Straftaten oder bei bestimmten, auch leichteren, politischen Delikten eingesetzt. Die Juristinnen Katharina Rueprecht und Astrid Wagner behandeln in ihrer zu diesem Thema verfassten Monografie „Geschworenenprozesse“ unter anderem die Frage, wie Geschworene zu ihrem Wahrspruch kommen, in dem sie alleine ohne Richter*innen über Schuld oder Unschuld entscheiden, sowie auch welchen Einflüssen Geschworene dabei ausgesetzt sind. Neben einem Überblick zu dieser Verfahrensform geben Fälle aus der Praxis einen tieferen Einblick in die Thematik. Anschließend an eine Buchpräsentation durch Katharina Rueprecht folgt eine ausführliche Diskussion unter Einbeziehung weiterer Expert*innen und Betroffener.

Podium


Katharina Rueprecht
war bis 2009 Rechtsanwältin und Strafverteidigerin in Wien, dann weiterhin als Autorin tätig. Unter dem Pseudonym Katharina Zara erschien „Die Rechthaber“, „Mein kriminelles Tagebuch“ und „Die Geschworene“, alles bei C.H.Beck München. „Die Geschworene wurde unter dem gleichnamigen Titel verfilmt. Zusammen mit Bernd-Christian Funk verfasste sie „Staatsgewalt“, erschienen bei Molden.  Das Buch „Geschworenenprozesse“, das Anlass für diese Veranstaltung ist, erschien 2008 in einem wissenschaftlichen Verlag. Die Autorinnen haben das Buch nun aktualisiert und außerdem so umgeschrieben, dass es auch für eine nicht juristisch gebildete Leserschaft verständlich ist. Insbesondere sollen es jene Menschen lesen können, die es abgesehen von den Angeklagten, am meisten betrifft: Die Geschworenen. 


Astrid Wagner
absolvierte nach der Sponsion in Rechtswissenschaften im Jahr 1990 ein Jahr lang als Rechtspraktikantin am Landesgericht für Strafsachen Graz , am Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz sowie am Konkursgericht erste Erfahrungen. In dieser Zeit wurde sie auch als Kandidatin für den steirischen Landtag nominiert. Dann kam sie aber zur Überzeugung, dass sie den Menschen mit ihrem juristischen Wissen und Einsatz besser helfen kann. Seit 2001 ist Wagner selbstständige Rechtsanwältin in Wien.


Friedrich Forsthuber
geboren am 25.09.1963 in Wien, studierte von 1981 bis 1985 Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Von 01.03.1990 bis 30.04.1991 war er Richter des Bezirksgerichtes Döbling, von 01.05.1991 bis 31.08.2005 Richter des Landesgerichtes für Strafsachen Wien und von 01.09.2005 bis 31.12.2009 Richter des Oberlandesgerichtes Wien (Strafsenat und Innere Revision). Seit 01.01.2010 ist er als Präsident des Landesgerichtes für Strafsachen Wien tätig. Seit 2010 ist er auch Obmann der Fachgruppe Strafrecht in der Vereinigung der österreichischen Richterinnen und Richter und seit 2018 Obmann des gemeinnützigen Vereins Justizgeschichte und Rechtsstaat: www.justizgeschichte-rechtsstaat.at/


Christian Frosch
ist Autor und Regisseur des Films „Murer – Anatomie eines Prozesses“.


Claudia Kuretsidis-Haider
ist promovierte Historikerin mit einem Forschungsschwerpunkt auf justizgeschichtliche Fragestellungen im Hinblick auf die Ahndung von NS-Verbrechen durch die österreichische Justiz. Als Ko-Leiterin der Zentralen österreichischen Forschungsstelle Nachkriegsjustiz setzt sie sich seit vielen Jahren mit Geschworenengerichtsprozessen zu nationalsozialistischen Massenvernichtungsverbrechen auseinander. Diese zwischen 1955 und 1975 durchgeführten Prozesse haben in nicht wenigen Fällen mit Skandalurteilen geendet. Darüber hinaus arbeitet sie im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Ihre weiteren Forschungsfelder sind Widerstand und Verfolgung in der NS-Zeit sowie Erinnerungspolitik nach 1945. Außerdem ist sie stellvertretende Obfrau des Vereines Justizgeschichte und Rechtsstaat.
Foto: Diplomatische Akademie

Moderation


Yvonne Widler
ist Journalistin und Autorin und lebt in Wien. Die studierte Sozioökonomin war u.a. Ressortleiterin für gesellschaftspolitische Themen bei NZZ.at. Seit 2016 ist sie Redakteurin beim Kurier. Widler wurde u.a. mit dem „Journalismuspreis von unten“ und dem „Prälat-Leopold-Ungar-Preis“ ausgezeichnet. Außerdem gewann sie 2018 den Dr. Karl-Renner-Publizistikpreis für die Aufarbeitung des Lebens eines misshandelten Pflegekindes. Bei ihrer journalistischen Arbeit setzt sie den Schwerpunkt auf (multimediale) Reportagen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen und Besonderheiten und Ungerechtigkeiten im System aufzeigen. Seit 2019 ist sie zudem Reporterin für den True-Crime-Podcast Dunkle Spuren. 
Foto: Matthäus Proskawetz