Frauenrechte gelten international als ein grundlegendes Menschenrecht, doch nicht überall werden sie auch als solches anerkannt. Der folgende Artikel beleuchtet die aktuelle politische und rechtliche Lage im Iran.
Alltägliche Entscheidungen, die in vielen Ländern als selbstverständlich gelten – sei es, einen Einkauf tätigen oder das Haus verlassen, um kurz frische Luft zu schnappen – unterliegen im Iran strengen gesetzlichen und gesellschaftlichen Einschränkungen. Dies gilt jedoch nur für Frauen. Grund dafür ist das islamische Schariarecht. Bewegungsfreiheit, Selbstbestimmung und persönliche Autonomie sind maßgeblich betroffen. Dabei stellt sich die Frage: Wie viel Freiheit ist Freiheit, wenn sie nur einem Teil der Bevölkerung zusteht? Als Ehefrau eines iranischen Mannes sind Betroffene in vielen Fällen rechtlich und gesellschaftlich von dessen Entscheidungen abhängig und müssen bei Verweigerung staatlicher Vorgaben mit schwerwiegenden Konsequenzen rechnen.

Diese begrenzten Freiheiten manifestieren sich besonders deutlich im Alltag. Für die weibliche Bevölkerung gilt eine gesetzlich vorgeschriebene Kopftuchpflicht. Zudem ist ihre Eigenständigkeit stark eingeschränkt: Reisen oder das Verlassen des Hauses können in bestimmten Fällen nur mit Zustimmung eines männlichen Vormunds erfolgen. Junge Mädchen dürfen schon ab ihrem 13. Lebensjahr verheiratet werden, mit richterlicher Genehmigung sind Ehen auch unter dieser Altersgrenze möglich. Wem gehört das Leben einer Frau – ihr selbst oder ihrem Vormund? Abgesehen davon, existiert keine umfassende Vorschrift zum Schutz vor häuslicher Gewalt. Eine Weigerung dieses Lebensstils gilt als unmoralisch und dem Schariagesetz gegenüber falsch, doch wer bestimmt, was richtig und falsch ist – Gott oder der Staat?
Was ist das Schariagesetz? Die Scharia gilt in der islamischen Theologie als göttliche Ordnung des Lebens, die Frieden und Gerechtigkeit gewährleisten soll. Sie umfasst rechtliche Regelungen wie Ehe- und Strafrecht ebenso wie religiöse Pflichten, insbesondere die Einhaltung der fünf Säulen im Islam. Da sie als von Gott gegeben verstanden wird, ist eine Veränderung dieser Normen verboten.
Folgen dieser Gesetzgebung zeigen sich aktuell besonders im Iran, denn seit dem 28. Dezember 2025 finden wieder massive Proteste statt. Die Protestierenden fordern grundlegende Freiheitsrechte und ein Ende der repressiven Legislative, denn viel zu lang ist es her, seitdem sie dem Schariarecht unterworfen worden sind. Unter dem aktuellen Präsidenten, Massud Peseschkian, wurden die Rechte erneut deutlich beschnitten. Laut Amnesty International wurden schätzungsweise bereits 2000 Menschen öffentlich auf den Straßen getötet, nachdem sie gegen das Regime protestiert hatten. Was treibt Menschen dazu, ihr Leben für Freiheit zu riskieren? Darf ein solches Gesetz unantastbar bleiben, wenn es Leid verursacht? Seit dem 8. Jänner 2026 wurde in weiten Teilen des Landes sogar die Verbindung zum Internet eingeschränkt, was den Zugang zu weiteren Information erschwert.

Ereignisse wie diese werfen ein großes Licht auf den Bruch und den klaren Verstoß gegen die Grundrechte, wie sie in der Allgemeinen Erklärungen festgehalten sind. Wenn Menschenrechte universell gelten, warum enden sie für Frauen an Staat- oder Religionsgrenzen? Artikel 1 betont die Gleichheit aller Menschen in Würde und Rechten – unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Religion: „All human beings are born free and equal in dignity and Rights. They are endowed with reasons and conscience and should act towards one another in a spirit of brotherhood“. Im Iran sind nicht nur die Unabhängigkeit, sondern auch die Gleichberechtigung, körperliche Unversehrtheit und die Meinungsfreiheit beschränkt.
Die Lage in Afghanistan
Ein vergleichbares Muster zeigt sich auch in Afghanistan. Seit der Machtübernahme der Taliban im August 2021 wurden Frauen systematisch aus dem öffentlichen Leben verdrängt. Ihnen ist der Zugang zu Bildung und Arbeit weitgehend verwehrt, ihre Autonomie stark reglementiert und das Verlassen des Hauses ohne Begleitung untersagt. Berichten zufolge müssen in einigen Regionen sogar Fenster im Erdgeschoss verdeckt werden, um Frauen vollständig der öffentlichen Sicht zu entziehen – wie viel ist Frauen ihr Leben in dieser Form wert, wenn selbst der Ausblick auf ihre Heimat keine Selbstverständlichkeit mehr ist? Eine Flucht ist sowohl im Iran als auch in Afghanistan für viele Betroffene kaum möglich.
Die anhaltenden Proteste im Iran sowie die Situation in Afghanistan – und zahlreichen weiteren Staaten – verdeutlichen, dass die Verletzung der Menschenrechte kein isoliertes Phänomen ist. Das Recht auf ein freies Leben entfaltet ihre Bedeutung nicht durch bloße Existenz auf Papier, sondern durch ihre erforderliche Durchsetzung. Wie lange kann die Welt wegsehen? Dort, wo Repression zur Normalität wird und ihre Freiheit als Privileg gilt, genügt es nicht, betroffen zu sein. Es benötigt Haltung und Mut, diese Lebensumstände klar als falsch zu bezeichnen. Internationale Berichte sowie soziale Medien spielen dabei eine zentrale Rolle, um diese Entwicklungen sichtbar zu machen und nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
