Die Armutskonferenz würdigt jedes Jahr „tiefgründige und respektvolle Armutsberichterstattung“ mit dem Journalismuspreis „von unten“. Zur diesjährigen Verleihung am 15. Dezember 2025, kamen Jury, GewinnerInnen und Interessierte im Presseclub Concordia zusammen – darunter auch uns, Menschen & Rechte.

Auftritt des „Wiener Beschwerdechors“

Lautstark eröffnet, wurde der Festakt vom Wiener Beschwerdechor. Mit ihrem Rahmenprogramm aus gesellschaftskritischen und humorvollen Gesangseinlagen, verschafften sie sich dem Geist der Veranstaltung entsprechend, vollste Aufmerksamkeit.

Preisträgerin Monika Pichler (M&R)

Die „Plattform Sichtbar Werden“ stellt die Jury, bestehend aus armutserfahrenen Menschen. Ausgezeichnet werden Berichterstattungen in den Kategorien Print, Radio, TV und Online. Das Konzept findet auch international Anklang. Der Preis wird bereits in zahlreichen europäischen Ländern, an RedakteurInnen verliehen, die einen Beitrag dazu leisten, das Thema Armut in der Mitte der Gesellschaft zu platzieren. Dazu zählt dieses Jahr auch unsere Redakteurin Monika Pichler. Für ihr Interview „Vom Leben auf der Straße zur Hilfe für andere: Walter Kreische über Obdachlosigkeit und Würde“, erschienen auf menschenundrechte.at, wurde sie mit dem zweiten Platz in der Kategorie Online ausgezeichnet.

Feuer gespuckt

Die GewinnerInnen der vier Kategorien, bekamen jeweils einen weißen Drachenkopf überreicht, angelehnt an eine traditionsreiche Aktion der Plattform „Sichtbar werden“, die dafür steht Ausgrenzung nicht hinnehmen zu wollen, und dass marginalisierte Gruppen zusammenstehen sollen.

Den ersten Preis in der Kategorie Print erhielten Thomas Winkelmüller & Maya Luna Mendivil Jahnke (Text) sowie Ursula Röck (Fotos) für Ihren Artikel „Die Pflegekinder“ im Datum-Monatsmagazin. Sie erzählen über den Alltag von Kindern, die Care-Arbeit leisten. „Kinderhände die beispielsweise Windeln wechseln“ war ein Bild, das den Co-AutorInnen nach der Recherche besonders in Erinnerung geblieben ist. Die lebendigen Fotos wurden von der Jury hervorgehoben.

Preisträger Thomas Winkelmüller, Maya Luna Mendivil Jahnke und Ursula Röck von DATUM

Eine von vier begehrten Drachen-Figuren, erhielt Veronika Mauler in der Kategorie Radio. In ihrem Bericht für Ö1 „Alt, arm, weiblich – wenn die Pension nicht reicht“ spricht sie mit Frauen, die im Alter in die Armut abgerutscht sind und hinterfragt die politischen sowie gesellschaftlichen Ursachen und Folgen. Was ihr bei den Gesprächspartnerinnen begegnete, war vor allem Scham. Diese abzubauen sei „ein vielschichtiges Thema. Was aber bestimmt helfen würde, wäre den Leuten das Schuldgefühl zu nehmen“, erzählt Mauler Menschen und Rechte im Rahmen der Preisverleihung.

In der Kategorie TV ging der Hauptpreis an Tiba Marchetti für ihre ORF „Am Schauplatz“-Dokumentation „Drogen am Land“. Darin begleitet sie suchtkranke Personen und gibt ihnen Platz, um frei aus ihrem Leben zu erzählen. Dabei stellt sie die städtische Perspektive der ländlichen gegenüber. So werden interessante Unterschiede aber auch viele Gemeinsamkeiten sichtbar. „Das psychische Leid ist das gleiche“, stellt Marchetti fest.

Der letzte Drache wurde Beatrix Kouba für ihre Reportage „Zwischen den Räumen: queere Menschen in der Obdachlosigkeit“ überreicht. Die Reportage erschien auf zimtmagazin.at und erzählt von der Doppelbelastung, der queere Menschen in Armut ausgesetzt sind. Auch in der Armutsgemeinschaft seien Anfeindungen gegen Homosexuelle und Transmenschen verbreitet. „Sie müssen oft Schutzräume wechseln“ weiß die Autorin durch ihre Recherche.

Alle Preisträger des Abends

Nachgefragt

Die Würdigung von Menschen, die Geschichten anderer erzählen, verdeutlichte bei der Preisverleihung, dass es oft noch viel schwerer ist die eigene zu erzählen. Zu dieser Leistung konnte Menschen und Rechte Walter Kreische, dem Protagonisten in Monika Pichlers Interview-Beitrag, befragen.

Herausfordernd war schon die Zeit vorm Interview. „Ich hab die Moni ein halbes Jahr warten lassen„, erzählt er von der Unsicherheit, die mit jeder Aufarbeitung der Vergangenheit einhergeht. Etwas Bestimmtes vorgenommen, hat er sich dafür aber nicht. „Ich wollte einfach authentisch sein„. Wenn authentisch bedeutet, über sexuellen Missbrauch und traumatische Heim- bzw. Hafterfahrungen zu sprechen, ist das aber alles andere als einfach. „Geschämt hab ich mich dabei nicht“ fügt der Musikliebhaber hinzu. Er macht seit bald 15 Jahren Obdachlosenhilfe und kennt solche Schicksale nicht nur von sich selbst. Diese müssten in all ihren Details der Gesellschaft aufgezeigt werden, aber ohne das Publikum zu überfordern und zu überlasten. „Den Leuten kann das auch schnell zu viel werden“ denkt Walter und hält punktuelle Themensetzungen für sinnvoller, was durch die Verleihung eines Preises hervorgehoben wird.

Die ausgezeichneten Beiträge, wurden aus insgesamt 30 Einreichungen ausgewählt. Alle weiteren Zweitplatzierten sowie lobende Erwähnungen, finden sie unter https://www.armutskonferenz.at/news/news-2025/journalismuspreis-von-unten-2025-vergeben.html

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